Tipps zur Katzenanschaffung Teil 3

Diesen TierZeit‐Artikel teilen auf:

Wie gestalte ich den Einzug und wann ist der richtige Zeitpunkt?

 

In den let­zten bei­den Aus­gaben haben wir uns sowohl mit den Vor­bere­itun­gen für die Katzenan­schaf­fung (siehe Tipps zur Katzenan­schaf­fung Teil 1) als auch mit den Vor‐ und Nachteilen möglich­er Bezugsquellen auseinan­derge­set­zt (siehe Tipps zur Katzenan­schaf­fung Teil 2). Nun wird es ernst. Der neue Mit­be­wohn­er zieht ein! Doch wie gestal­tet man den Einzug am besten? Worauf sollte man acht­en? Und was ist zu beacht­en, wenn bere­its andere Katzen da sind?

Der Zeitpunkt

samirah s - katze profil 3Ein Umge­bungswech­sel ist für die meis­ten Katzen eine sehr stres­sige Sit­u­a­tion. Kom­men noch neue Men­schen hinzu, die keine Bezugsper­son darstellen, erhöht sich der Stress für die Katze erneut.

Da die Sit­u­a­tion an sich schon sehr stres­sig ist, sollte zusät­zliche Aufre­gung unbe­d­ingt ver­mieden wer­den. Wenn ger­ade ren­oviert wird, die lieben Ver­wandten zu Besuch sind oder eine Geburt­stagspar­ty anste­ht, sollte nicht noch zusät­zlich eine Katze neu einziehen. Ausser­dem ist es rat­sam, den Einzug nicht unmit­tel­bar vor einem Urlaub zu pla­nen. Für viele Katzen ist es schon schw­er genug, während des Jahresurlaubes auf ihre Men­schen zu verzicht­en und von jemand anderem ver­sorgt zu wer­den. Für neu einge­zo­gene Katzen ist dies noch stres­siger. Ständig neue Per­so­n­en um sich herum zu haben, kann so manche Katze mächtig verun­sich­ern. Ganz beson­ders in ein­er völ­lig frem­den Umge­bung.

Auch sollte man den Neuankömm­ling nicht ger­ade zwis­chen­durch in der Mit­tagspause einziehen lassen. Das ist stres­sig für den Men­schen und hat auch Auswirkun­gen auf die Katze.

Am besten zieht der neue Mit­be­wohn­er an einem freien Woch­enende ein, damit der Besitzer in den ersten Tagen ein Auge auf die Katze haben kann. Wer möchte, kann auch ein paar Urlaub­stage dafür nehmen. Natür­lich sind extra Urlaub­stage für den Einzug nicht immer zwin­gend notwendig. Das hängt sehr vom per­sön­lichen Empfind­en ab, aber auch vom Charak­ter der neu einziehen­den Katze. Es schadet aber nie, lieber einen Tag mehr Urlaub zu nehmen, als einen weniger.

Grundsätzliches

Da die räum­liche Umstel­lung oft­mals schon recht viel für eine Katze ist, sollte möglichst wenig an ihrem bish­eri­gen Leben geän­dert wer­den. Es ist daher empfehlenswert, zunächst das bish­erige Fut­ter und die Streu des Vorbe­sitzers weit­erzu­ver­wen­den, bis sich die Katze eingewöh­nt hat. Ein zu schneller Wech­sel kann weit­ere Verun­sicherung verur­sachen. Stress­be­d­ingter Durch­fall auf­grund des Umzuges kann gele­gentlich vorkom­men. Durch­fall ist bei einem Fut­ter­wech­sel nicht sel­ten. Eine Kom­bi­na­tion bei­der Sit­u­a­tio­nen sollte bess­er nicht provoziert wer­den.

Ankunft Kitten - Samirah SDer Tag des Einzuges

Auch wenn die Aufre­gung und Span­nung groß ist, soll­ten die neuen Katzen­hal­ter am Tag des Einzuges möglichst gelassen an den neuen Mit­be­wohn­er herange­hen. Katzen sind sehr sen­si­ble Tiere, die Unsicher­heit, Anspan­nung und ähn­lich­es gut wahrnehmen kön­nen. Je gelassen­er der Men­sch ist, desto bess­er gewöh­nt sich der Neuzu­gang ein.
Wichtig ist, dem Neuankömm­ling Zeit zu lassen. Es lässt sich nichts erzwin­gen. Katzen zu bedrän­gen sorgt eher noch dafür, dass ihre Eingewöh­nung länger dauert. Sie müssen ihre Umge­bung und ihre neuen Mit­be­wohn­er eigen­ständig unter­suchen und ken­nen­ler­nen kön­nen. Das gibt ihnen Sicher­heit und Selb­stver­trauen.

Hat die Katze eine län­gere und/oder stres­sige Reisezeit hin­ter sich, ist es rat­sam, sie zunächst alleine in einem sep­a­rat­en Raum unterzubrin­gen. So kann sie erst ein­mal ankom­men und wieder zur Ruhe kom­men. Vor­sichtig kann sie nun, wenn sie möchte, die ersten Schritte in ihrem neuen Heim gehen.
Die Katze sollte möglichst in der Nähe von einem Katzen­k­lo aus der Trans­port­box gelassen wer­den. So ken­nt sie den Weg zur Toi­lette bei Bedarf schon und muss nicht erst lange suchen.

Es schadet eben­falls nicht, bere­its einen kleinen Snack anzu­bi­eten. Viele Katzen fressen die ersten Tage wenig bis gar nichts. Die Anspan­nung und Aufre­gung ist teil­weise ein­fach zu groß, um ans Essen zu denken. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht nötig ist, etwas hinzustellen. Ste­ht Nahrung bere­it, frisst die Katze meist auch früher oder später. Sollte sich der Neuzu­gang gän­zlich dem Fut­ter ver­weigern und deswe­gen Beun­ruhi­gung auftreten, kann ruhig etwas beson­ders Leck­eres ange­boten wer­den.

Sind bere­its andere Katzen im Haushalt, soll­ten diese zunächst nicht unbeauf­sichtigt zusam­men gelassen wer­den. Es hängt sehr von den Katzen, deren Charak­ter und der jew­eili­gen Vorgeschichte ab, ob sie direkt zusam­men­ge­lassen wer­den kön­nen oder lieber noch ein Zwis­chen­schritt, bei dem die Katzen über eine Git­tertüre getren­nt wer­den, ein­gelegt wird. Ger­ade bei schüchter­nen und ängstlichen Katzen, welche schlechte Erfahrun­gen mit anderen Katzen gemacht haben, ist dies der sicherere Weg. Sind alle beteiligten Katzen sehr sozial und ken­nen andere Katzen auch schon, ist es jedoch meis­tens kein Prob­lem, sie direkt zusam­men­zu­lassen.

Erste Annäherungen

Je nach Charak­ter des Neuankömm­lings find­en erste Annäherun­gen ganz schnell oder sehr langsam statt. Das Aller­wichtig­ste ist es, die Katze das Tem­po bes­tim­men zu lassen. Sie sollte allein auf den Men­schen zuge­hen. Tut sie das nicht, sollte sie größ­ten­teils ignori­ert wer­den – das ist höflich.Samirah S - Kennenlernen

Es gibt allerd­ings ein paar Tricks, damit die Katze sich bess­er an ihre neuen Besitzer gewöh­nt. Bei ängstlichen Katzen, die sich lieber die ganze Zeit ver­steck­en, kann es hil­fre­ich sein, san­ft mit ihnen zu reden. Frisch geback­ene Katzen­hal­ter kön­nen laut aus der Zeitung oder einem Buch vor­lesen oder ein­fach vor sich hin­plap­pern. Das ist vielle­icht etwas ungewöhn­lich, hil­ft aber dabei, dass sich der Neuankömm­ling auch an die Stimme des neuen Besitzers gewöh­nt.

Gehört die Katze zur neugieri­gen Sorte oder ist ver­spielt, kann beispiel­weise eine Katzenan­gel hil­fre­ich sein. Diesem beliebten Spielzeugkon­nte noch kaum eine Katze wieder­ste­hen. Und auch wenn die Katze sich dann erschreckt, wenn sie merkt, wer da am anderen Ende der Angel ist, obsiegt doch meis­tens der Spiel­d­rang und sie kommt bald wieder aus ihrem Ver­steck her­aus.

Wie über­all im Leben geht natür­lich auch bei Katzen Liebe oft­mals durch den Magen. Erste Annäherun­gen find­en gerne statt, wenn ein tolles Leck­er­lie ver­führerisch zwis­chen Besitzer und Katze liegt. Da traut sich so manche Katze auf wenige Zen­time­ter her­an und mit etwas Geduld frisst sie vielle­icht sog­ar aus der Hand.

Neuzugang zu vorhandenen Katzen – worauf besonders achten?

Wie bere­its erk­lärt, muss zunächst ein­mal über­legt wer­den, wie die Katzen verge­sellschaftet wer­den sollen: über den langsamen und sicheren Weg mit Tren­nung per Git­tertür als Zwis­chen­schritt oder die »Holzham­mer­meth­ode« durch ein­fach­es aufeinan­der loslassen. Die Entschei­dung muss von den jew­eili­gen Katzen abhängig gemacht wer­den. Ein paar grund­sät­zliche Sachen gel­ten jedoch immer.

Sarah B. - KatzenSind die Katzen ein­mal zusam­men, soll­ten sie nicht wieder getren­nt wer­den. Das ver­langsamt eine Verge­sellschaf­tung unge­mein, baut Stress und vielle­icht sog­ar Aggres­sio­nen auf. Eifer­sucht im eigentlichen Sinne gibt es bei Katzen nicht. Dem­nach muss die erste Katze nicht unbe­d­ingt ständig bevorzugt oder gar immer zuerst gestre­ichelt oder gefüt­tert wer­den. Je nor­maler man sich gibt, desto bess­er kommt auch die alteinge­sessene Katze mit der neuen Sit­u­a­tion zurecht. Denn schließlich kann es doch nicht so schlecht sein, wenn sich der Dosenöffn­er völ­lig nor­mal ver­hält.

Rat­sam ist es auch hier, die Katzen selb­st bes­tim­men zu lassen, wie sie sich ken­nen­ler­nen wollen. Ihnen ständig zu fol­gen und zu sehen, was sie ger­ade machen, ob sie sich ver­ste­hen oder gar aneinan­derg­er­at­en, sorgt für Unruhe und Unsicher­heit. Der Hal­ter sollte nicht bei jedem Fauchen direkt auf­sprin­gen und nach­se­hen, was los war. Raufer­eien sind eben­falls in einem gewis­sen Maße nor­mal.

Abschließend noch der Rat, nicht die ganze Zeit zu Hause zu bleiben. Katzen erkun­den ihre Umge­bung gerne unbeobachtet und gewöh­nen sich an andere Katzen mitunter schneller, wenn der nervöse Men­sch nicht dabei ist. Deswe­gen keine Angst, wenn eine Grill­par­ty anste­ht oder ein Kinoabend. Je aus­geglich­en­er der Men­sch ist, desto aus­geglich­en­er ist auch die neue Katze. Und bald wird es sich­er die ersten Kuschel­stun­den geben.

Autor: Sarah B.
Bilder: Sarah B. (Katzen auf Sofa), Sami­rah S. (Rest)

erschienen in TierZeit – Aus­gabe 12
13. Dezem­ber 2015

Zum Weit­er­lesen:
Tipps zur Katzenan­schaf­fung Teil 1
Tipps zur Katzenan­schaf­fung Teil 2

Diesen TierZeit‐Artikel teilen auf:

Comments are closed.